Sonderpädagogik: Integration - Inklusion

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Die Grünauer Schule ist im Bezirk bereits als Integrationsschule bekannt. Was bedeutet aber Integration genau und was ist Inklusion?

Der Begriff Integration ist vom lateinischen Begriff integratio abgeleitet und bedeutet so viel wie Wiederherstellung eines Ganzen oder Erneuerung. Im schulischen Zusammenhang versteht man darunter die Einbeziehung von Menschen in eine Lernsituation, die vorher in Sondergemeinschaften (Sonderschulen) zusammengefasst (exkludiert) waren. Dabei ist die Herangehensweise der Integration eng mit dem Begriff der Behinderung verbunden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet dabei drei Begriffe:

  • Ein dauerhafter gesundheitlicher Schaden, der auf Grund einer Erkrankung, angeborenen Schädigung oder eines Unfalls als Ursache entsteht.
  • Die funktionale Beeinträchtigung der Fähigkeiten und Aktivitäten des Betroffenen entsteht durch den Schaden.
  • Die soziale Beeinträchtigung (Handicap) ist Folge des Schadens und äußert sich in persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Konsequenzen.


In Berlin gilt folgender Sprachgebrauch, laut Integrationskonzept des Berliner Beauftragten für Integration und Migration, Günter Piening vorgeschlagen und vom Senat am 23.08.2005 beschlossen: "Allgemein formuliert bildet Integration das Gegenstück zu Segregation oder Ausgrenzung. Übertragen auf die Ebene konkreter Lebenswelten bedeutet Integration, dass Einzelpersonen oder ganze Gruppen gleichberechtigte Möglichkeiten der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und der Artikulation ihrer Interessen erhalten und vor individueller und kollektiver Ausgrenzung geschützt werden. Integrationspolitik ist im Kern Herstellung von Chancengleichheit. [...] Den Rahmen für Integration bildet die Verfassung mit den darin festgelegten Gesetzen." Das Berliner Integrationskonzept finden Sie hier .

Schaut man sich nun die UN-Konventionen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen an, die am 26. März 2009 in Kraft getreten ist und bereits bestehende Menschenrechte für die Lebenssituation behinderter Menschen konkretisiert, so wird ein gänzlich anderes Herangehen deutlich. Als zu Grunde liegendes Prinzip gilt das der Wertschätzung der Vielfalt (Diversität) im alltäglichen Leben allgemein und in der Bildung und Erziehung im Besonderen. Heterogenität ist demnach eine Gegebenheit, die die Normalität abbildet. Der völkerrechtliche Vertrag sagt in Artikel 24 aus, dass die Vertragsstaaten ausdrücklich das Recht von Menschen mit Behinderung auf einen gemeinsamen Unterricht in einer allgemeinen Schule anerkennen und sich verpflichten die Bildungs- und Erziehungsbedürfnisse aller Schülerinnen und Schüler zu befriedigen.

In Deutschland werden ca. 80 % aller Kinder mit Behinderungen in Sonderschulen unterrichtet. Integration gilt in Deutschland immer noch als Sonderfall. Zur Inklusion muss Deutschland noch ein gutes Stück Weg bewerkstelligen. Dabei führt der Weg eben auch an den bisher anerkannten und eingeübten Strukturen vorbei, die sich bekanntermaßen eher behäbig ändern lassen. Denn für diese unerlässliche Veränderung im deutschen Bildungssystem müssen Voraussetzungen geschaffen werden. Neben den sächlichen Voraussetzungen (behindertengerechte Zugänge, Sanitäranlagen usw.) braucht es auch personelle und damit auch finanzielle (bspw. die Möglichkeit der Doppelsteckung von Lehrern mit besonderen Qualifikationen) Voraussetzungen um flexible und variable Bildungsangebote machen zu können, die sich den jeweiligen Bedürfnissen der Lernenden anpassen können. Die Veränderungen werden nicht nur für die Schule und deren Behörde erheblich sein, auch das Hochschulwesen mit der Lehrerausbildung wird sich bewegen müssen genauso wie die Senatsverwaltung für Finanzen.

Mit der konsequenten Umsetzung der UN-Konventionen entfällt nicht nur das Festschreiben von Besonderheiten, sondern alle Lernenden kommen in den Genuss, ihren individuellen Voraussetzungen entsprechend, angemessen gefördert zu werden. So könnten Schülerinnen und Schüler mit temporären Lernausfällen (beispielsweise durch lange Krankheiten oder eine intensive Phase der Pubertät) oder auch besonderen Begabungen eine individuellere und zeitlich angemessene Lernbegleitung erhalten, hoffentlich ohne bürokratische Hürden überwinden zu müssen. Die UNESCO-Publikation "Inklusion: Leitlinien für die Bildungspolitik" erläutert den internationalen Standpunkt zur inklusiven Bildung.


Die UNESCO hat ihren Sitz in Frankreich. Sie ist eine eigenständige Organisation, die zu den Vereinten Nationen (UN) gehört. UNESCO steht für "United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization"(Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation).