Sonderpädagogik: Identitätsfindung

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Vor Jahren fragte ich einen Schüler (10.Klasse): "Wer bist du denn?" "Das weiß ich selbst nicht genau." Ich meine, diese Antwort kennzeichnet das Prinzip der Identitätsfindung treffend.

Ein Kind hat vielleicht wenig Vertrauen in sich selbst und seine eigenen Fähigkeiten, ein anderes Kind geht auf Altersgenossen zu und schreckt auch vor schwierigen Aufgaben nicht zurück - dies kennzeichnet die Bilder, die Kinder von sich haben. Hier werden die Prozesse widergespiegelt, die Kinder in der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt in den verschiedenen Bereichen gewonnen haben- sowohl im sozialen als auch im materialen Bereich. In diesem Zusammenhang nehmen die durch Bewegungshandlungen des Kindes gemachten Erfahrungen einen wichtigen Raum ein. Sie erhalten Reaktionen ihrer Umwelt auf das, was sie schon können. Das Kind erfährt Erfolg und Misserfolg und lernt, dass es selbst etwas bewegen bzw. bewirken kann. Die Literatur teilt diesen Komplex in fünf Bereiche ein:

  • Selbstwahrnehmung und Selbstbewertung
  • Die Bedeutung des Selbstkonzeptes für die Entwicklung
  • Körpererfahrungen sind Selbsterfahrungen
  • 4. Möglichkeiten zur Veränderung eines negativen Selbstkonzeptes
  • Maßnahmen zum Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes


Die Maßnahmen zum Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes halten wir für so wichtig, dass unsere Konzeption für die Therapiergruppen mit den folgenden Schwerpunkten ansetzt. Diese sind:

  • Das Kind soll seine eigenen Vorzüge erkennen lernen.
  • Wir stellen Situationen bereit, in denen das Kind Selbstwirksamkeit erfahren kann.
  • Wir stärken die Eigenaktivität und das Selbstätigsein.
  • Wir vermeiden vorschnelle Hilfeleistung.
  • Wir wertschätzen das Kind unabhängig von seiner Leistung.
  • Wir vermeiden Vergleiche mit anderen und setzten stattdessen individuelle Bezugsnormen.


"Nicht allein die Förderung der Bewegungsentwicklung, das Behandeln bestimmter Schwächen mit zielgerichteten Übungen bringt die persönlichkeitsstabilisierenden Wirkungen hervor, sondern die Möglichkeiten zu einer Veränderung der Selbstwahrnehmung, zum Aufbau einer neuen Beziehung zu sich selbst, aber auch zur sozialen und dinglichen Umwelt." ( R. Zimmer, S.76 )


Literatur:
Zimmer, R.: Selbstkonzept und Identität- Schlüsselbegriffe psychomotorischer Förderung. In: Mertens, K.( Hrsg.): Psychomotorik - Grundlagen und Wege der Förderung, vml Dortmund 2002, 68 - 76.