Sonderpädagogik: Diagnostik

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Der Brockhaus definiert "Diagnose"(1) (frz; von griech. Diàgnosis unterscheidende Beurteilung, Erkenntnis) als

  • allg.: das Feststellen, Prüfen und Klassifizieren von Merkmalen mit dem Ziel der Einordnung zur Gewinnung eines Gesamtbildes
  • Psychologie: das Feststellen und Prüfen von Eigenschaften, Eignungen, emotionalen Zuständen, Verhaltensmöglichkeiten und -defiziten sowie Art und Ausmaß von Symptomen mit dem Zweck der Prognose von Entwicklungen und Leistungen, der Auswahl von Therapiemaßnahmen und der Messung ihrer Effekte
  • alle zur Erkennung einer Krankheit getroffenen Maßnahmen einschließlich der Diagnosestellung; auch die Lehre von der Diagnose


An der Grünauer Schule wird von den Sonderpädagogen die Auffassung der Förderdiagnostik vertreten und angewandt. Dies hat fachliche Gründe, die im Folgenden kurz skizziert werden:

Im Gegensatz zur deskriptiven und zur Platzierungsdiagnostik steht bei der Förderdiagnostik stets das Kind im Zentrum, d.h. es wird nach dem Prinzip: URSACHE -WIRKUNG und nicht nach Symptombehandlung geforscht und gefördert. Die Förderdiagnostik ist ein hauptsächlich sonderpädagogisches Gebiet. Ihre Aufgabe besteht in der Klärung der Bildungsmöglichkeiten eines Kindes und den damit verbundenen Zielen.  Dies kann nicht nur im Rahmen einer Leistungsdiagnostik - wie sie oft gehandhabt wird - passieren. Vielmehr müssen die ursächlichen Bedingungen für das schulische Verhalten ausgegraben werden, was oft eine mühevolle Puzzlearbeit ist.

Eine Intelligenzdiagnostik ist in diesem Zusammenhang zwar wichtig, aber nicht das allein zum Ziel führende Mittel. Gutachter/innen sind gefragt, sich mit all ihrem Wissen und vor allem ihren Sinnen sich in die Lage des Kindes zu versetzen, um eine optimale Förderung für das Kind zu erreichen. Dazu gehören sowohl sehr intensive Elterngespräche als auch das Einholen von Informationen aller am Entwicklungsprozess des Kindes beteiligter Menschen. Dabei befinden wir uns immer im Spannungsfeld zu unserem lösungsorientieren Arbeitsansatz. Die Maxime dabei ist, so viel Diagnostik wie nötig und so viel Lösungsorientierung wie nötig.

Das zweite Standbein unserer Diagnostik ist die Motodiagnostik.

Motodiagnostik soll zuerst die Ursachen sowie die Auswirkungen der vorhandenen Störungen erkunden, um daraus Bedingungen für die Förderung und Behandlung abzuleiten. Motodiagnostik ist immer prozessbegleitend, d.h. es finden permanent Feinabstimmungen über den Veränderungshergang statt. Motodiagnostik ist nicht defizitorientiert, sondern geht von den Stärken des Kindes aus. An der Grünauer Schule findet dieser Prozess im kleinen Rahmen innerhalb der Psychomotorikgruppe statt, die hauptsächlich für die Erstklässler angeboten wird.

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(1) Brockhaus; 1988/5, S. 443