Konzept der Montessori-Lerngruppen D und E (Klassen mit jahrgangs- übergreifendem Lernen - Jahrgangsstufen 1, 2 und 3)

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1. Gleitender Beginn

Der Schultag beginnt bei uns gleitend. In der Zeit zwischen 7.30 bis 7.50 Uhr können die Kinder den Klassenraum betreten und mit der Arbeit beginnen, sich Materialien auswählen, beraten lassen, Bücher anschauen, leise unterhalten, Pflanzen pflegen oder ähnliches. Die Klassenzimmertür soll geöffnet bleiben, damit eine einladende Atmosphäre entsteht. Die Kinder dürfen auch im Flur und in anderen Räumen arbeiten.

Für den Erhalt und für das Entstehen einer ruhigen Arbeitsatmosphäre benötigen wir die Unterstützung der Eltern. Die Erstklässler sollen, so früh wie möglich, spätestens nach den Herbstferien im Foyer verabschiedet werden. Zweit- und Drittklässler sollen grundsätzlich alleine zur Lernetage kommen.

Auch die Erwachsenen müssen sich an das Flüstergebot halten. Wichtige Fragen an die pädagogischen Mitarbeiter können im Vergissmeinnichtheft schriftlich gestellt werden. Sie werden von uns so schnell wie möglich beantwortet. Bei der Erziehung zur Selbständigkeit und Unabhängigkeit benötigen wir die Unterstützung der Eltern. Dazu gehört:

  • Ich gehe alleine zur Lernetage.
  • Ich komme pünktlich. (Um 7.50 Uhr im Klassenzimmer.)
  • Ich trage meine Schulsachen alleine.
  • Ich ziehe mich alleine um und sorge für Ordnung an meinem Schrank.
  • Ich verhalte mich rücksichtsvoll, wenn andere schon arbeiten.

2. Morgenkreis

Ab 8.00 Uhr folgt meistens der Morgenkreis. Dabei beginnen wir den Morgen oft mit einem Lied. Im Kreisgespräch lernen die Kinder, sich vor der Gruppe zu äußern, zuzuhören, auf andere einzugehen, spannend oder informativ zu erzählen, Konflikte zu benennen und vieles mehr. Der Kreis bietet auch die Möglichkeit sich Hilfe für die Freiarbeit zu holen, bzw. Gruppen- und Partnerarbeiten zu organisieren.

3. Freiarbeit

Ein wichtiges Element der Montessori-Pädagogik ist die freie Wahl. Daher legen wir großen Wert auf die tägliche Freiarbeit. In der Regel stellen wir für diese Arbeitsform täglich 1 - 2 Unterrichtsstunden zur Verfügung.

Freiarbeit bedeutet nicht, dass es keinen inhaltlichen Rahmen gibt.

Idealerweise bedeutet die freie Wahl, dass die Kinder frei entscheiden sollen, welche Arbeit sie wählen, wie lange sie daran arbeiten und ob sie mit einem Partner arbeiten. Die Fähigkeit, frei zu wählen, ist bei den Kindern unterschiedlich weit entwickelt. Sie sollen dabei nicht sich selbst überlassen bleiben, sondern mit Unterstützung der Lehrerin lernen, Entscheidungen zu treffen. Hierfür nutzen wir die Lerntagebuchgespräche.

Die freie Wahl des Lernpartners muss auch gelernt sein. Arbeitswilligkeit- und fähigkeit darf darunter nicht leiden. Es ist nicht immer der beste Freund auch der beste Arbeitspartner.

Wir erwarten von den Kindern, dass sie begonnene Arbeiten auch beenden, bzw. mit uns in Dialog treten.

Bei der freien Wahl zeigt sich, welches Arbeitsgebiet dem Kind leicht fällt und wo es Schwierigkeiten hat. Der Fehler dient als Wegweiser beim Lernen. Die freie Wahl ermöglicht es den Lehrerinnen und Erzieherinnen individuelle Voraussetzungen und Fortschritte der Schülerinnen und Schüler zu beobachten. Neue Materialien werden in dieser Phase vorgestellt.


4. Zuhause
  • Wie wird zu Hause mit dem Prinzip „Alle Menschen machen Fehler- Der Fehler ist unser Wegweiser“ umgegangen?
  • Bekommt das Kind auch zu Hause die Möglichkeit der Wahl?
  • Gibt es Pflichten die das Kind zu Hause übernimmt?
  • Wie weit ist das Kind von Lob abhängig?
  • Löst das Kind „schwierige“ Situationen selber oder helfe ich als Erwachsener mal schnell?

5. Vorbereitete Lernumgebung

Bei der Gestaltung der Klassenräume ist es uns wichtig, den Kindern eine angenehme Lernatmosphäre zu bieten.

Die Mathematik- und Sprachmaterialien werden in Regalen nach Schwierigkeitsstufen geordnet dargeboten. Diese Materialien können ergänzt werden, wenn bei der individuellen Beobachtung von Kindern festgestellt wird, dass ein bestimmtes Angebot nötig ist.

Da das Lernangebot für Lernanfänger am Anfang noch oft zu groß ist, wird in den ersten Lernwochen eine bestimmte Auswahl an Arbeitsmitteln „am gedeckten Tisch“ dargeboten. Im Klassenraum und im Hortraum befinden sich auch Materialien für die Sinnesschulung, lebenspraktische Übungen und eine Leseecke.

Bei den Materialien achten wir auf die Ästhetik, Begrenzung auf ein Lernziel, Selbstkontrolle und Selbsttätigkeit. Die meisten Materialien gibt es nur einmal in jedem Raum, manche nur einmal für beide Gruppen.


6. Fachunterricht

Englisch
Im 3. Schuljahr erhalten die Kinder wöchentlich zwei Fachstunden Englisch. Im Englischunterricht wird handlungsorientiert gearbeitet.

Sport
Der Sportunterricht findet jahrgangsübergreifend statt. Einmal die Woche sind die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3 nicht dabei, weil sie zum Schwimmunterricht gehen.


7. Projektarbeit

Für Projekte greifen wir thematische und methodische Anregungen der Schüler gerne auf.

Bei der Projektarbeit lernen die Kinder unterschiedliche Methoden kennen: Referate, Ausstellungsbesuche, Experimente, Theaterstücke, Projektbücher, Plakate, Hinzuziehung außerschulischer Experten und mehr.

Sie lernen ihre Ergebnisse auf unterschiedlichste Art und Weise zu präsentieren. Dabei wird die Selbständigkeit, die Sprachkompetenz, die Fähigkeit seine Meinung zu äußern und das Verantwortungsbewusstsein gefördert.

In die Projektarbeit integrieren wir die Fächer Musik und Kunst.


8. Gesundheitsfördernde Pause

Wir gliedern die Pause in eine Essenspause und in eine Bewegungspause. Während der Frühstückspause achten wir darauf, dass die Kinder in einer ruhigen Atmosphäre essen und trinken. Die Eltern sollen ihren Kindern „gesunde Nahrung“ mit in die Schule geben. Die Bewegungspause verbringen die Kinder auf dem Schulhof. Während der Regenpausen müssen sie im Gebäude bleiben.


9. Rituale

Um für die Kinder den Tag zu strukturieren, arbeiten wir mit Ritualen wie: Morgenkreis, Klangschale, Gesprächsstein, Datumshaus, Helfersystem und Ämtern.


10. Indiviuelle Lernwege

Der Unterricht orientiert sich stark am einzelnen Kind. Die Lehrer beobachten die Lernentwicklung der einzelnen Kinder detailliert.

In Gesprächen lernen die Kinder, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen. Bei der Wahl der Lerninhalte und der Niveaustufen werden sie vom Lehrer beraten. Das ist nicht immer ganz einfach für die Kinder, da sie auch lernen müssen mit Misserfolgen umzugehen und Ratschläge anzunehmen.


11. Beurteilungen

Die Lerninhalte in unseren Lerngruppen werden vom Berliner Rahmenplan vorgegeben. Dementsprechend muss die allgemein geltende Anzahl von Klassenarbeiten mitgeschrieben werden. Ebenso nehmen wir an den Vergleichsarbeiten teil.

In unseren Lerngruppen erhalten die Kinder am Ende des Schuljahres Indikatorenzeugnisse mit verbaler Beurteilung. Es werden keine Noten erteilt. In der 3. Jahrgangsstufe findet außerdem ein Halbjahresgespräch mit den Eltern und Kindern statt.